Nowhere diary
Eigentlich sollte meine Seite, mein Blog ein bisschen etwas von einem Tagebuch haben. In den letzten Wochen kam ich aber nicht dazu, mir die Zeit zu nehmen, etwas sinnvolles zu schreiben. Manchmal kommt einfach etwas dazwischen. I call it life.
Eigentlich sollte das hier mein erster Post auf Substack werden, aber beim verfeinern der Entwürfe ist mir aufgefallen, dass Substack dabei ist, auch nur eine weitere Plattform zum Zeitvertreib zu werden und die üblich verdächtigen Filmbro‘s schon wieder angefangen haben, sich auch dieses Netzwerk einzuverleiben. Mit den natürlich gleichen Methoden wie schon bei Instagram.
Speaking of instagram.
Eigentlich sollte dies ein Blogbeitrag werden, in dem ich mich (mal wieder) erkläre, warum ich gerade keinen Bock auf Instagram habe. Und während ich auch an diesem Entwurf zu lange saß, ist mir aufgefallen, dass es nicht mangelnder Bock, sondern mangelnde Zeit ist, why I don’t give a fuck about Instagram at the moment. Sich dann aber die eh schon knappe Zeit abzuknapsen, um sich über Instagram aufzuregen, ist auch kontrovers bzw einfach auch komplett dumm. Trotzdem ein kurzer Auszug eines Blog Entwurfs:
„Schließ mal deine Augen und probiere dich an 15 Bilder, die du dieses Jahr bei Instagram gesehen hast, zu erinnern. Visualisiere die Motive und bringe sie in Verbindung, mit dem, der sie gemacht hat.
Geht nicht, ne? Wir erinnern uns nämlich nur an das, was wir dort gepostet haben. Wir suchen uns die Bestätigung von anderen und um das ein bisschen zu rechtfertigen, liken, tweeten, commenten und sharen wir ab und zu was von anderen. Und wenn es einem dann mal ganz schlecht geht, dann wird halt zum hundertsten mal ein Sonnenuntergang oder ein Foto aus dem Italien-Urlaub gepostet - guilty as charged. Kompletter circle jerk. Ich ess den Keks nicht. Safe.“
Also was nun?
Auszug aus meinem nicht erscheinenden Substack Post:
“Every year when we approach Christmas I put together a calendar with photographs of my kids. Yeah I know it’s cheesy but that’s the way it is and it has become sort of a tradition. But no worries, this is not what I am going to talk about in my first ever Substack post.
However this process goes together with going through my archive. After a few years of photography it becomes quite interesting to see what caught my eye. With this post I am going to share a few photos of each month of 2024 that are meaningful to me for whatever reason.”
Na dann machen wir halt das. Der grosse Hans Norbert Jahresrückblick. Am Ende singt Helene Hitler noch „Stille Nacht, Heilige Nacht“ und alles wird gut.
Let’s go.
Im Januar war ich in Hamburg. Wetter war richtig räudig, eigentlich hatte ich 24 Grad erwartet, aber der Schneeregen peitschte ins Gesicht und gefrorene Tropfen setzten sich auf den Schal bis sie schmolzen und sich langsam den Rücken runter auf den Weg Richtung Arschritze machten, um dort zu verdampfen.
Im Februar war ich in ChinaTown Mailand, um die Festivitäten zum chinesischen Neujahrsfest zu dokumentieren. Ja genau, das klingt richtig prätentiös, in Wirklichkeit bin ich da rein gestumbled und habe festgestellt, wie gerne ich Menschen in meinen Bildern mag. Nur in Bildern. Ich echt finde ich Menschen Scheiße. Auch an Weihnachten. Du Fotze.
März, Berlin:
Ein paar Wochen später im April war ich wieder in ChinaTown, Mailand. Es regnete cats and dogs & ich verließ aber trotzdem das Hotel früh morgens auf der Jagd nach Menschen. Ich liebe die entstandenen Fotos sehr. So sehr, dass ich die meisten nicht bei IG geteilt habe:
Alles neu macht der Mai. Naja nicht alles, aber immerhin konnte ich ab da wieder mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren. Mein Arbeitgeber ist übrigens stolz drauf, dass unsere Uniform zu 100% aus recyceltem Plastik besteht. Ich bin stolz drauf, dass ich nach einer 15 minütigen Fahrradtour erst weitere anderthalb Stunden später aufhöre zu schwitzen. Egal, das Foto war es wert:
Im Juni ging es für mich nach Málaga. Das Licht in Malaga ist phänomenal. Okay das Licht ist überall besser als in Berlin. Ich weiß nicht, woran das liegt, am Smog, an der Aura der Menschen, oder ist das Licht gar selbst depressiv geworden, weil das das einzig langfristige ist, was man in Berlin erreichen kann (Scherz, ich weiß, du liebst Berlin, es ist die aufregendste Stadt der Welt lol deine Mutter).
Nach der erfolgreichen Befruchtung meiner Frau habe ich die Tanks meiner Spritzpistole verhökert und mir davon ein Summilux 24 gekauft. Nach weiterer Zuzahlung von 3000€ gehörte es endlich mir. Okay seriously. Ich liebe diese Linse. Hier meine Fav‘s aus eines early morning strolls im Juli in Mailand:
24mm wurde im Sommer zu meiner favorisierten Brennweite, wenn es um #streetizm geht. Natürlich kannst du damit auch Architektur fotografieren wie dein Vater, aber meines Erachtens lebt diese Brennweite vor allem dadurch, wenn man das Subjekt, das Motiv, den Menschen (oder - wenn du in Berlin fotografierst - den Minusmenschen) circa anderthalb Meter vor der Linse hat. Mehr Fotos aus August:
Im September hab ich ein Foto dieser beiden Stripperinnen gemacht, die sich als Nonnen verkleidet hatten, um kurz vor Dienstbeginn noch den Sonnenuntergang an der polnischen Ostseeküste zu genießen:
Im Oktober waren wir im Disneyland Paris. Zum tausendsten Mal. Kurz zuvor hatte ich mir eine Mamiya 7 gekauft. Ich sage mal so:
“It is easier to make a digital image look analog than to give an image out of the Mamiya 7 a less digital feel”
Okay November jetzt. Die Tage werden kürzer, der Himmel grauer und die Glocken hängen länger als das Seil. Ist so. Fotografiert werden muss trotzdem und so habe ich diesen prächtigen Gaul abgelichtet. Kann auch sein das Stute kein Plan.
Und dann ist auf einmal Dezember, der Winterblues artet in eine handfeste Depression aus, die Kälte legt sich wie eine Lokal-Anästhesie auf die schmerzenden Knochen und everything sucks equally. Fotografie nervt, der Algorithmus ist besonders böse, Familie ist scheiße, Job sowieso und ich überlege nach Lanzarote auszuwandern, um mit irgendeiner zwanzigjährigen Influencer Nutte ein Tauchschule aufzumachen. Spaß beiseite. Ich handle das natürlich wie ein echter Mann und ertränke den Frust in Alkohol und gebe anderen die Schuld an meiner Misère:
Und jetzt mal Butter bei die Fische und mit der nötigen Ernsthaftigkeit. 2024 war schon. Fotografisch sowieso. Aber ich bin nicht angekommen. Wenn ich durch die Fotos scrolle, dann sehe ich immer noch ein bisschen zu viel von allem. Ich sehe bedeutend mehr schwarz weiß als Farbe als im Vorhahr, vor allem aber sehe ich mehr people. Die Morgende oder Abende in Mailand haben mir gut getan und machen mir am meisten Freude, wenn ich durchs Archiv gehe. Trotzdem möchte ich die abandoned places mit Pentax 67 nicht missen, die Sonnenaufgänge am Strand oder meine Reisereportagen. Es ist für alles genug Platz. Geordnet wird später.
Frohe Weihnachten und guten Rutsch.